Die Mammographie macht gesunde Frauen zu Krebspatientinnen 

Frauen ab 50 erhalten in Deutschland alle zwei Jahre unaufgefordert Post. Ein Schreiben, das zur Teilnahme am Mammographie-Screening einlädt. Die Einladungen kommen von den sogenannten Zentralen Stellen – insgesamt 14 in ganz Deutschland. Das sind gemeinsame Einrichtungen der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigungen.

530 Millionen Euro kostet dieses Programm jährlich – finanziert mit Krankenkassenbeiträgen, also mit Steuergeldern.

Eine Investition in die Krebsprävention, die auf den ersten Blick wie Fürsorge wirkt. Doch stimmt das?

Welchen Nutzen hat die Mammographie wirklich?

Die offizielle Kommunikation verspricht, dass Brustkrebs durch die Mammographie früh erkannt und dadurch Leben gerettet werden. Die Zahlen, die das belegen sollen, werden meist als relative Risikoreduktion angegeben – zum Beispiel 20 bis 30 Prozent.

Doch relative Zahlen verschleiern den tatsächlichen Effekt – ein beliebter Trick in medizinischen Statistiken um schwachen Zahlen mehr Gewicht zu verleihen. Interessant sind in diesem Zusammenhang jedoch nur die absoluten Werte und diese zeigt der Cochrane-Review von 2013 – eine der unabhängigsten Auswertungen überhaupt zum Thema Mammographie.

Die Cochrane-Zahlen: das wahre Verhältnis

Der Cochrane-Review (Gøtzsche & Jørgensen, Nordic Cochrane Centre, Kopenhagen) untersuchte, was tatsächlich passiert, wenn Frauen regelmäßig zur Mammographie gehen.

Das Ergebnis für 2.000 Frauen, die 10 Jahre lang am Screening teilnehmen:

  • 1 Todesfall durch Brustkrebs wird verhindert.
  • Über 200 Frauen erhalten einen falsch-positiven Befund – einen Verdacht, der sich später als harmlos herausstellt.
  • 10 Frauen erhalten eine Überdiagnose, d.h. sie erhalten eine Krebsbehandlung wie Chemotherapie oder Bestrahlung, obwohl diese Behandlung vollkommen unnötig war.

Das ist das Verhältnis von Nutzen zu Schaden: Ein gerettetes Leben. Zehn Frauen, die zu Krebspatientinnen gemacht werden, obwohl sie gesund sind. Hunderte, die durch einen Fehlalarm in Angst und Unsicherheit gestürzt werden.

Was das für die Frauen bedeutet

Falsch-positive Befunde

Ein falsch-positiver Befund bedeutet: Die Mammographie zeigt etwas Verdächtiges, aber es ist kein Krebs. Die Folge sind Wochen der Angst, weitere Untersuchungen und oft eine Biopsie, die dann keinen Krebs zeigt.

Über 200 von 2.000 Frauen erleben das – also jede zehnte Frau, die regelmäßig zur Mammographie geht.

Überdiagnosen

Noch gravierender ist die Überdiagnose: Hier wird eine Gewebeveränderung gefunden, die zu Lebzeiten niemals Symptome verursacht hätte. Die Frau erhält eine Krebsdiagnose – und wird behandelt: Operation, Bestrahlung, manchmal Chemotherapie.

10 von 2.000 Frauen – also jede 200. Frau – wird unnötig zu einer Krebspatientin gemacht und wird für den Rest ihres Lebens an den irreversiblen Folgen der Behandlung leiden.

„Mammographie-Screenings sind schädlich und sollten aufgegeben werden.“
Prof. Peter C. Gøtzsche, DrMedSci, MD, MSc, Leiter des Nordic Cochrane Centre, Kopenhagen

Warum läuft das Programm trotzdem weiter?

Der Cochrane-Review wurde 2013 veröffentlicht und belegte nicht nur den minimalen Nutzen von Mammographien, sondern vor allem den massiven Schaden, den sie verursachen. Weit über ein Jahrzehnt später werden Frauen immer noch standardmäßig durch eine staatliche Initiative zur Mammographie aufgefordert. Wie ist das möglich?

Die Antwort ist unbequem: Wirtschaftliche Interessen und institutionelle Trägheit.

Den deutschen Staat kostet das Programm 530 Millionen Euro jährlich – finanziert mit Steuergeldern, also Ihrem Geld. Für Radiologen, Kliniken und Gerätehersteller dagegen ist es ein Milliardengeschäft. Die Fachgesellschaften haben deshalb ein extrem starkes Interesse daran, es fortzuführen – und betreiben entsprechend Lobbyarbeit in Berlin.

Das RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung bezeichnete die offizielle Darstellung der Mammographie als Brustkrebs-Vorsorge  als „systematische Fehlinformation„. Frauen wird der Nutzen als groß, der Schaden als klein präsentiert – obwohl unabhängige Studien ein anderes Bild zeichnen.

Ein Wort zu Strahlung und Kompression

Häufig wird die Mammographie mit zwei Risiken in Verbindung gebracht: der Strahlenbelastung und der Kompression, also einer Quetschung des Brustgewebes.

Die Datenlage zeigt: Die Strahlenbelastung ist gering – sie entspricht etwa der natürlichen Strahlung einiger Tage im Freien. Das zusätzliche Erkrankungsrisiko ist bei Frauen ab 50 Jahren so gering, dass es nicht messbar ist. Und auch die Sorge, dass die Kompression Krebszellen streuen könnte, wird durch wissenschaftliche Untersuchungen nicht bestätigt.

Diese Punkte sind also keine starken Argumente gegen die Mammographie. Die starken Argumente sind andere: die hohe Zahl an falsch-positiven Befunden und der Überdiagnosen im Verhältnis zum kaum nachweisbaren Nutzen.

Was das für Sie bedeutet

Ob Sie weiterhin zur Mammographie gehen wollen, bleibt selbstverständlich Ihnen überlassen. Auf Basis der wissenschaftlichen Faktenlage sollten Sie sich das jedoch sehr genau überlegen – denn Sie gefährden Ihre Gesundheit damit mehr, als Sie ihr helfen.

Es ist eine persönliche Abwägung – und Sie haben ein Recht darauf, beide Seiten zu kennen.

Was Sie jetzt tun können

Diese Informationen zeigen einmal mehr, wie wichtig es ist, gründlich zu recherchieren, bevor man handelt – und niemals die Verantwortung für die eigene Gesundheit abzugeben.

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Denn niemand außer Ihnen selbst kann die Verantwortung für Ihre Gesundheit übernehmen. Trotzdem müssen Sie diesen Weg nicht alleine gehen.

Interessantes Video

Mehr zum Thema Brustkrebs erfahren Sie in diesem spannenden Interview des Schweizer Gesundheitsfernsehsenders QS24 mit Lothar Hirneise.

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